"Ohne
Querdenker wäre die Welt müder"
Ein persönliches Gespräch mit Jürgen Hunke über
Bücher, Buddha und Freunde
Herr
Hunke, was verbirgt sich hinter „Mikado“? JH:
Im Jahr 2000, als ich mit Mikado begann, habe ich mir meinen alten
Jugendtraum verwirklicht. Da klar war, dass ich mich mit der asiatischen
Philosophie und Kunstgegenständen beschäftigen wollte,
habe ich ein Wort gesucht, das spannend und auch zu vermarkten
ist. Als Anhänger der Marken-Philosophie passte das Wort
„Mikado“ haargenau. Es umspannt diese Philosophie.
„Mikado“ ist zum einen ein Geschicklichkeitsspiel,
zum anderen bedeutet es „ein Tor zum neuen Denken“.
Mikado
ist Verlag, Buch, Kunst?
JH:
Ja, als junger Mensch habe ich im größten Buchverlag
Europas gelernt. Es war immer mein Traum, mich irgendwann mal
wieder mit Büchern zu beschäftigen - Bücher sind
die größte Form der Kunst. Man kann Botschaften überbringen,
die man immer wieder nachlesen kann.
Das Buch ist Teil unser Kultur seit Gutenbergs Zeiten - genau
wie das Theater. Viele weltweit wichtigen Entwicklungen sind durch
Bücher eingeleitet worden. Viele Philosophien sind durch
Bücher beschrieben worden. Ein Buch ist etwas Phantastisches,
es gibt nichts, womit man mehr Muße haben kann, das spannender
sein kann, das Menschen neue Ideen, Gedanken und Ruhe geben kann.
Es gibt eigentlich nichts Schöneres.
Ist
der Mikado-Verlag richtungsweisend?
JH:
Ich bin kein gelernter Verleger. Nachdem ich aus dem Berufsleben
ausgestiegen bin, habe ich angefangen, mit einer eigenen Strategie
aus Büchern Markenartikel zu machen.
Diese Bücher beschäftigen sich immer mit Visionen auf
dem Gebiet des Wohlfühlens, der Gesundheit, der Gesellschaft
und der Politik. Wir sind sehr gut gestartet. Durch den Tod meines
Verlagsleiters sind wir etwas vom Weg abgekommen. Die Zeit des Experimentierens
ist jetzt aber vorbei. Wir werden wieder Bücher machen, die
sich mit Zeiterscheinungen und Problemen dieser Gesellschaft beschäftigen
- kritische und freche Bücher.
Ein großes Geschäft ist damit nicht zu machen. Idealismus
gehört dazu und viel Kraft. Es macht aber auch viel Spaß
- und das ist das Wichtigste. Wenn man dann anderen Menschen damit
eine Freude macht, ist es ein fröhliches und positives Geschäft.
Ihre
Beziehung zur fernöstlichen Kultur - eine Geschäftsidee?
JH:
Ursprünglich ist das gar keine Geschäftsidee gewesen.
Es ist durch meine Reisen seit über 25 Jahren in asiatische
Länder wie Burma, Vietnam, Thailand, Singapur, Hongkong, China,
Japan entstanden. Ich habe - wie das jeder Tourist macht - die eine
oder andere Buddha-Figur mitgebracht. Diese Figuren vermittelten
mir durch ihre Ausstrahlung eine bestimmte Affinität für
die asiatische Philosophie.
Ich darf heute mit Stolz sagen, dass ich eine der größten
Sammlungen in Deutschland habe. Am Anfang hat man über meine
Sammelleidenschaft gelacht, mich für einen esotherischen Menschen
gehalten. Aber mittlerweile sehen Sie Asiatica in allen großen
Zentren dieser Welt: New York, London, Mailand.
Es ist für mich etwas ganz besonders Schönes, dass man
sich mit der fernöstlichen Philosophie - ich sage bewusst nicht
„Religion“ - beschäftigt. Die gibt den Menschen
was. Wir erleben es auf Veranstaltungen, auf denen sich dem Buddhismus
zugewandte Menschen treffen. Dort ist eine große Zufriedenheit
zu spüren.
Und wir merken, dass immer mehr Menschen für sich die asiatische
Philosophie entdecken. Besonders unser neues Projekt, der Mikado-Garden
in Timmendorf Strand beweist, wie das Interesse zunimmt.
Jürgen
Hunke ein Buddhist?
JH:
Man kann ein guter Christ sein und sich trotzdem inspiriert fühlen
von der buddhistischen Philosophie. Man kann diese Dinge sehr wohl
miteinander verbinden, weil sie alle etwas mit Glauben zu tun haben.
Sie haben alle etwas damit zu tun, wie man mit den Menschen in der
Gesellschaft umgeht.
Die asiatische Philosophie hat viel mit zwischenmenschlichen Verhalten
zu tun. Es geht um die Grundeinstellung. Wenn man von Konfuzius
liest, der vor tausenden von Jahren die Dinge ganz pragmatisch auf
den Punkt gebracht hat, merkt man, dass sich die Welt und die Menschen
eigentlich gar nicht sehr verändert haben.
Freunde,
Feinde, Querdenker...?
JH:
Wir wissen alle, dass man nur ganz wenig Freunde hat. Die habe ich
auch, langjährige Freunde. Freunde sind Menschen, mit denen
man Gutes und Schlechtes besprechen kann.
Feinde - da muss man differenzieren. Oft sind es Neider. Oft sind
es Menschen, die einen vielleicht missverstehen, oder sich nicht
erklären können. Menschen sollten keine Feinde haben.
Querdenker - das hat auch etwas mit Vision zu tun. Ohne Querdenker
wäre die Welt viel uninteressanter, wäre sie viel müder.
Man kann am besten quer denken, wenn man unabhängig ist - das
gebe ich gern zu. Es gibt für mich einen Kernsatz: Ich möchte
gern in einer Welt leben, in der es vielen gut geht - dann geht
es mir auch besser.
Heute, um einige Jahre älter und rückblickend, muss ich
sagen: Man sollte sich mehr in die Gesellschaft einbringen. Dann
hat man zu sich und zu seinem Leben ein besseres Gefühl. Gesellschaft
hat immer etwas mit Gemeinschaft zu tun und Gemeinschaft immer etwas
mit Verantwortung - mit sozialer Verantwortung, die man manchmal
übernehmen muss.
Theater,
Fußball, Pferde - gibt es da einen Zusammenhang?
JH:
Bürgerliches Engagement ist der Zusammenhang. Überall,
wo es ganz schwer ist - und das ist vielleicht meine Mission - bleiben
die Dinge meist bei mir hängen. Ich kann mir gar nicht erklären,
wie ich dazu so oft komme, aber ich habe in den letzten Jahren festgestellt,
dass es nun mal so ist.
Vielleicht ist es auch eine Art sportliche Herausforderung. Ich
hoffe aber sehr, dass es zumindest ein kleines Beispiel für
andere ist, dass es lohnenswert ist, sich in dieser schwierigen
Zeit für unsere Gemeinschaft zu engagieren.
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